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Gesundheitsteams vor Ort

Good Practice

Der bundesweite Kooperationsverbund "Gesundheitsförderung bei sozial Benachteiligten", initiiert und maßgeblich getragen von der BZgA, zählt das Projekt "Gesundheitsteams vor Ort" zu den "Beispielen guter Praxis in der Gesundheitsförderung sozial Benachteiligter".

mehr dazu auf der Seite Gesundheitliche Chancengleichheit.

Das Projekt „Gesundheitsteams vor Ort“ wurde 2005 durch die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Malu Dreyer in Rheinland-Pfalz für Familien in Stadtteilen mit schwierigem sozialem Umfeld initiiert.

Etabliert wurde das Projekt modellhaft an zwei rheinland-pfälzischen Standorten, in der Mainzer Neustadt und in Trier-Nord, zwei sozial benachteiligten Stadtteilen. An beiden Standorten konnten die Projekte nach einer Vorbereitungsphase 2006 mit der Umsetzung beginnen. Eine Fortsetzung des Projekts ist bis Ende 2011 sicher gestellt und über diesen Zeitraum hinaus angestrebt.

 

Zielgruppe, Zielsetzung und Zugang

Die Angebote richten sich gezielt an Menschen in benachteiligten Lebenslagen, wie beispielsweise Familien mit finanziellen, familiären oder beruflichen Schwierigkeiten, Alleinerziehende oder Familien mit Migrationshintergrund. Aufgrund des hohen Anteils von Migrantinnen und Migranten in der Mainzer Neustadt wurde an diesem Modellstandort ein besonderer Schwerpunkt auf das Thema Migration und Gesundheit gelegt.

Das Projekt will die gesundheitliche Situation in dieser Zielgruppe verbessern. Prävention und Gesundheitsförderung stehen dabei im Mittelpunkt. Die Stärkung der Eigenverantwortung und die Förderung von Gesundheitskompetenzen sollen ausgebaut werden. Schwerpunktthemen sind die Wahrnehmung von Früherkennungsangeboten, die Gesundheitsfürsorge für Säuglinge, Kinder und Jugendlichen, die Impfprophylaxe, Stillen, gesunde Ernährung, Bewegungsförderung, Zahngesundheit sowie die psychische und psychosexuelle Gesundheit.

Ein zweites zentrales Anliegen ist die Erleichterung des Zugangs zu den Regelangeboten des Gesundheitswesens. Bekannte Hemmschwellen für die Inanspruchnahme professioneller Hilfe durch Ärzte, Apotheker, Hebammen, Psychologen, Berater und andere Therapeuten aber für die Beteiligung an Selbsthilfegruppen sollen überbrückt werden, ohne dabei Parallelstrukturen zum GKV-System aufzubauen.

Da die Zielgruppe mit herkömmlichen Maßnahmen des Gesundheitssystems (Kommstruktur) eher schlecht erreicht wird, müssen die Maßnahmen einen niederschwelligen, aktiv aufsuchenden Charakter haben und möglichst dicht in die Lebenszusammenhänge (z.B. in typische Treffpunkte, Versammlungsorte, religiöse Zentren, Familien) („Gehstruktur“) integriert werden. Sie sollen mit den herkömmlichen Angeboten des Gesundheitssystems und bestehenden örtlichen (stadtteilbezogene) Strukturen, wie sie beispielsweise in den Projekten der „Sozialen Stadt“ vielerorts zu finden sind, verknüpft werden.

 

Planung und Realisierung der Maßnahmen, Projektstruktur

Die „Gesundheitsteams“: Durchgeführt werden die Gesundheitsmaßnahmen durch „Gesundheitsteams“. Diese Gesundheitsteams bestehen aus Fachkräften des Gesundheits- und Sozialbereichs, wie Ärztinnen/Ärzte, Hebammen, Psychologinnen/Psychologen, Gesundheit- und Krankenpfleger/innen, Physiotherapeutinnen/-therapeuten, Sozialpädagogen/ Sozialpädagoginnen, Sozialarbeiter/innen, die berufsgruppenübergreifend zusammenarbeiten.

Projektkoordination: An beiden Standorten wird die Koordinierung des Projekts von einer Projektkoordinatorin, der hierfür eine halbe Planstelle zur Verfügung steht, übernommen. Träger der Koordinationsstelle ist in Trier das „Quartiersmanagement Trier-Nord“ und somit die Stadt Trier. In Mainz hat sich der Caritasverband Mainz e. V. als konfessionelle Einrichtung zur Trägerschaft bereit erklärt.

Steuerungsgruppe: Die Planung und Vorbereitung von Maßnahmen erfolgt durch eine Steuerungsgruppe in den jeweiligen Stadtteilen vor Ort, die durch die Projektkoordinatorin einberufen und geleitet wird.

Sie besteht neben den „Gesundheitsteams“-Mitgliedern und der Projektkoordinatorin aus Fachkräften (z.B. aus Einrichtungen, Initiativen und Projekten des Gesundheits- und Sozialbereiches) sowie „Schlüsselpersonen“ als „Türöffner“, die gute Kontakte zur Zielgruppe und deren Einrichtungen (Vereine, Bürgertreffs, Initiativen) haben.
Die Steuerungsgruppe hat die Aufgabe, entsprechend der Bedarfssituation, Projektvorhaben zu planen, vorzubereiten und mit bereits vor Ort bestehenden Angeboten und Initiativen zu koordinieren. Die Steuerungsgruppe hat das geplante Jahresprogramm auf das vorhandene Budget abzustimmen und stellt somit die für die Projektarbeit notwendigen Hintergrundinformationen bereit, ermittelt Bedarfe und erarbeitet Lösungsansätze.

 

Qualitätssicherung

Eine verbindliche Orientierungshilfe bei der Planung und Durchführung von Maßnahmen stellt ein im Konzept verankerter Zielkriterienkatalog sowie  der Leitfaden Prävention Handlungsfelder und Kriterien des GKV-Spitzenverbandes zur Umsetzung von §§ 20 und 20a SGB V vom 21. Juni 2000 in der Fassung vom 27. August 2010. Die Einhaltung dieser Kriterien ist die Voraussetzung für eine Förderung von Maßnahmen.

Dieser Zielkriterienkatalog und der Leitfaden erleichtert darüber hinaus eine objektive Auseinandersetzung unter den Projektpartnern und hilft bei Entscheidungsfindungen und Kurskorrekturen im Projektverlauf.

Im Katalog sind Kriterien hinsichtlich der Zielgruppe, der thematischen Schwerpunktsetzung, der Zugangswege und Maßnahmen sowie zur Projektstruktur festgelegt.

 

Evaluation

Im Jahr 2008 wurde eine Evaluation im Rahmen einer Diplomarbeit durchgeführt, die durch Herrn Prof. Dr. Franz  Hamburger, Professor für Sozialpädagogik die Universität Mainz und durch Frau Dipl.-Soz. Gesine Bär vom Deutschen Institut für Urbanistik in Berlin begleitet wurde. Daraus geht hervor, dass die Maßnahmen des Projekts in hohem Maße die im Konzept angestrebten Ziele und die entsprechenden Adressaten erreichen konnten. Die Maßnahmen waren effizient d.h. es wurde mit geringem Aufwand eine größtmögliche Wirkung erzielt und Projektmanagement, Gremienarbeit, Steuerungsprozesse, Vernetzungsarbeit, Antragsstellungsprozesse und Finanzierungsmodalitäten konnten ohne erhöhten Aufwand betrieben werden. Im gesamten Bericht wird immer wieder das entbürokratisierende Verfahren bei der Mittelzuweisung und der Mittelverwendung hervorgehoben. Besonders positiv wird die Umsetzung in Trier-Nord bewertet, vor allem durch die Ansiedlung der Koordinierungsstelle beim Quartiersmanagement.

 

Finanzierung - allgemein

Gefördert wird das Projekt durch das Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie in Rheinland-Pfalz, das Ministerium des Inneren, für Sport und Infrastruktur in Rheinland-Pfalz (nur Trier-Nord), sowie durch die Gesetzlichen Krankenkassen (AOK Rheinland-Pfalz, BKK-Landesverband Rheinland-Pfalz und Saarland, IKK Südwest-Plus, LKK Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland, Knappschaft und dem vdek – Verband der Ersatzkassen e.V.). Weiterhin beteiligen sich die jeweiligen Städte mit einem Eigenanteil.

 

Die Koordinierungsstelle Mainz Neustadt

Die Koordinierungsstelle Trier-Nord