Die Masernerkrankung gehört zu den hochkontagiösen (hochansteckenden) Viruserkrankungen, gegen die es nach wie vor keine kausale Therapie gibt. In den westlichen Industrieländern führen die Masern bei 10 bis 20% der Erkrankten zu Komplikationen. Es wird geschätzt, dass jährlich etwa 50.000 bis 60.000, in manchen Jahren sogar bis zu 100.000 Kinder, Jugendliche und Erwachsene in Deutschland an Masern erkranken. Die Infektiosität der Masern ist sehr hoch. So erkranken 95 von 100 nicht-geimpften Personen nach Masernkontakt an den Masern. Die häufigsten Komplikationen sind Mittelohrentzündung (Otitis media) und Lungenentzündung (Bronchopneumonie). Besonders gefürchtet ist die Masernenzephalitis (Gehirnentzündung), die bei jedem 1000sten bis 2000sten Erkrankten auftritt, bei Überlebenden zu einer dauerhaften Schädigung des Gehirns führen kann und eine Letalitätsrate von 20 bis 30% aufweist. Veränderte Lebensbedingungen haben zu einer Verschiebung der Erkrankungen in das Jugend- und Erwachsenenalter und damit zu einer erhöhten Gefahr von Komplikationen geführt. Während bei Kleinkindern auf 10.000 Erkrankungen eine Gehirnentzündung kommt, erhöht sich das Risiko bei älteren Kindern und Jugendlichen auf eine Gehirnentzündung pro 1000 Erkrankungen. Eine weitere Folgeerkrankung ist die seltene, aber stets tödliche subakute sklerosierende Panenzephalitis.
Die Schutzimpfung gegen Masern ist die einzige Möglichkeit der Primärprävention. Es stehen Kombinationsimpfstoffe gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) zur Verfügung. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut (RKI) empfiehlt die 1. Masernimpfung als kombinierte MMR-Impfung zum gleichzeitigen Schutz gegen diese drei Infektionskrankheiten im Alter von 11. bis 14. Monaten. Da nach dieser ersten Impfung nicht alle Kinder Antikörper und damit Abwehrkräfte entwickeln, empfiehlt die STIKO seit 2001 eine 2. Impfung im Alter von 15 bis 23 Monaten mit einem Mindestabstand von vier Wochen zur ersten Impfung. Die Masern-Ausbrüche der letzten 4 Jahre haben gezeigt, dass der Impfschutz vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen lückenhaft ist, nicht zuletzt, da viele von ihnen nur einmal geimpft sind, wie bis 2001 empfohlen.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kämpft seit vielen Jahren für die Elimination der Masern. Die europäischen Staaten wollten dieses Ziel bis 2010 erreichen – dies ist jedoch trotz umfangreicher Bemühungen gescheitert. Immer wieder ist es zu kleineren oder größeren Ausbrüchen in Bevölkerungskreisen mit einem mangelhaften Impfschutz gekommen. Das trifft leider auch für Deutschland zu. Immer wieder kam es in den letzten Jahren im Rahmen dieser lokalen Ausbrüche zu schweren Folgeschäden oder gar Todesfällen bei Kindern, die mit einem ausreichenden Impfschutz hätten vermieden werden können. Besonders tragisch sind solche Schicksale für Säuglinge und Kleinkinder, die aus gesundheitlichen Gründen nicht selbst geimpft werden können und auf einen hohen Impfschutz ihrer Umgebung angewiesen sind. Für einen solchen gesellschaftlichen Impfschutz, der in der Fachsprache Herdenimmunität genannt wird, sind Impfraten für die 2. Masernimpfung von 95 % erforderlich.
Die WHO hat sich in der Resolution des Regionalkomitees für Europa im September 2010 für die Erneuerung des Engagements für die Eliminierung von Masern und Röteln in der Europäischen Region der WHO bis zum Jahr 2015 ausgesprochen.
In Rheinland-Pfalz werden seit Jahren Kampagnen zur Masernbekämpfung durchgeführt. Aktuell liegen die Quoten für 2 Masernimpfungen bei 90,8 % (Daten aus der Einschuluntersuchung des Schuljahrgangs 2009). Damit ist zwar im Vergleich zu den Vorjahren ein erfreulicher Anstieg der Impfquoten zu verzeichnen, es sind aber nach wie vor weitere Anstrengungen erforderlich. Entsprechende gezielte Impfkampagnen, besonders auch für junge Erwachsene sollen auch zukünftig zusammen mit entsprechenden Partnern durchgeführt werden.
Aus den Ergebnissen der 1. Nationalen Impfkonferenz 2009 in Mainz wurde ein Best-Practice Manual zur Masernelimination erstellt, das mögliche bewährte Aktivitäten aufzeigt und den Partnern im Lande als Orientierung für eigene Kampagnen dienen soll.

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