Der Eichenprozessionsspinner, ein unscheinbarer, in den Nachtstunden schwärmender Schmetterling, tritt in warm-trockenen Regionen auf und bevorzugt lichte, eichenreiche Wälder, Bestandesränder und Einzelbäume. Anfang Mai schlüpfen die für den Menschen gefährlichen Raupen, die bis zur Verpuppung fünf bis sechs Entwicklungsstadien durchlaufen. Sie sind erkennbar an einer breiten, dunklen Rückenlinie mit samtartig behaarten Feldern und langbehaarten rotbraunen Warzen. Von Beginn an leben die Tiere in geselligen Familienverbänden und sammeln sich nestartig an locker zusammengesponnenen Blättern oder Zweigen.
Von ihren Nestern aus begeben sich die Raupen wie in einer Prozession auf Nahrungssuche, dabei können 20 bis 30 ältere Raupen nebeneinander her wandern und Prozessionen von mehr als 10 m Länge bilden. Sie gelten aufgrund des durch sie verursachten Lichtungs- oder Kahlfraßes als Schädlinge.
Ältere Raupen ziehen sich tagsüber und zur Häutung in Raupennester (Gespinste), die bis zu einem Meter lang werden können, am Stamm oder in Astgabelungen befallener Bäume zurück. Die Nester können mehrere Jahre als feste Gebilde aus Spinnfäden, Raupenkot, Häutungsresten und Puppenhülsen erhalten bleiben, weshalb die Gefahr von Allergien beim Menschen dabei weiter bestehen bleibt.
Gesundheitliche Gefährdung:
Gefahren für die menschliche Gesundheit entstehen durch die feinen, mit Widerhaken versehenen Brennhaare der Raupe, die sich ab dem 3. Larvenstadium entwickeln und ein eiweißhaltiges Nesselgift, das Thaumetopoein enthalten.
Bei Kontakt des Menschen mit diesen fast unsichtbaren Gifthärchen können diese leicht in Haut und Schleimhäute eindringen, wo sie sich mit ihren Häkchen festsetzen und stets neue toxisch-allergische Reaktionen auslösen können.
Diese zeigen sich überwiegend als Hautreaktionen von unbehandelt bis zu zwei Wochen Dauer und äußern sich als so genannte Raupendermatitis in drei verschiedenen klinischen Erscheinungsbildern:
- Kontakt-Urticaria (Nesselsucht mit Quaddeln)
- toxisch-irritative (durch mechanischen Reiz ausgelöste) Dermatitis (Hautentzündung)
- anhaltende Papeln (Knötchen), die an Insektenstiche erinnern
Die Hauterscheinungen sind von starkem Juckreiz begleitet und treten bevorzugt an nicht von Kleidung bedeckten Hautpartien auf, wobei dünne Hautpartien im Gesicht, am Hals und an der Innenseite der Ellenbogen besonders betroffen sind, Krankheitserscheinungen können bis zu zwei Wochen anhalten.
Einatmen der Partikel kann zu Reizungen der Schleimhäute der oberen und unteren Atemwege führen und dort Husten, Bronchitis und Asthma auslösen.
Gelangen Raupenhaare ins Auge, entsteht eine akute Konjunktivitis (Bindehautentzündung) mit Rötung, Lichtscheu und starker Lidschwellung. Bohren sie sich in die Hornhaut, ist eine Keratitis (Hornhautentzündung) die Folge.
Zusätzlich können Allgemeinsymptome wie Schwindel, Benommenheit und Fieber auftreten. In Einzelfällen neigen überempfindliche Personen zu allergischen (anaphylaktischen) Schockreaktionen.
Risikogruppen:
- Besucher von befallenen Freizeitanlagen, Waldspaziergänger, hier besonders spielende Kinder (durch direkte Berührung von Raupen und Nestern)
- unmittelbare Anrainer betroffener Gebiete
- Waldarbeiter in befallenen Regionen, Arbeitskräfte in Landschaftspflege- und Straßenmeistereibetrieben
Vorbeugende Maßnahmen:
- Befallene Gebiete grundsätzlich meiden
- Raupen und Gespinste nicht berühren
- Empfindliche Hautbereiche (Hals, Nacken, Unterarme, s.o.) schützen
- Nach Kontakt mit Raupenhaaren Kleider wechseln, duschen und Haare waschen
- Solange Raupennester erkennbar sind, auf Pflege- und Holzerntemaßnahmen verzichten
- Bekämpfung nur von Fachleuten durchführen lassen (spezielle Arbeitstechnik und Schutzausrüstung erforderlich)
Verhalten bei Verdachtsmomenten
Wenn Ihnen im Freien Gespinste, Raupenprozessionen oder andere Strukturen auf Eichenprozessionsspinnerbefall verdächtig erscheinen, ist eine Benachrichtigung des zuständigen Ordnungsamtes zu empfehlen. Das gilt auch für den Fall, wenn durch eine ärztliche Untersuchung der Verdacht entsteht.
Bei Auftreten der oben beschrieben Symptome sollte ein Arztbesuch erfolgen und sofern bekannt, auf den möglichen Kontakt mit Raupenhaaren hingewiesen werden.

