Corona-Schutzimpfungen starten am 27. Dezember

Rheinland-Pfalz wird am 27. Dezember mit den ersten Corona-Schutzimpfungen starten.

Nachdem die europäische Kommission den ersten Impfstoff am gestrigen Montag zugelassen hat und der Hersteller Biontech den Start der Auslieferungen für den morgigen Mittwoch angekündigt hat, können in Rheinland-Pfalz am Sonntag die ersten Schutzimpfungen in ausgewählten Senioreneinrichtungen für Bewohnerinnen und Bewohner sowie Mitarbeitende starten.

„Der 27. Dezember wird ein ganz besonderer Tag werden. Ein Tag, der den Menschen im Gedächtnis bleiben wird – nicht nur in Rheinland-Pfalz, sondern auch in Deutschland, ja in ganz Europa. Ein Tag, der uns gerade in der aktuell so schwierigen Phase der Pandemie Zuversicht schenkt. Der uns Hoffnung gibt, dass wir den langen und entbehrungsreichen Kampf gegen dieses Virus am Ende gewinnen werden“, sagte Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler mit Blick auf den nahenden Impfauftakt in Rheinland-Pfalz.

In einer allerersten Lieferung wird Rheinland-Pfalz 9.750 Dosen des Impfstoffs erhalten. Aufgrund dieser engen Begrenzung starten die Impfungen daher in den Altenheimen und Senioreneinrichtungen – übereinstimmend mit den Vorgaben des Bundes und basierend auf den Empfehlungen zur Priorisierung der Ständigen Impfkommission. Den ersten Empfehlungen des einberufenen Ethikbeirats Corona-Schutzimpfung folgend werden dabei zunächst jene Regionen bedient, die zum Stichtag 16. Dezember über der durchschnittlichen 7-Tages-Inzidenz des Landes lagen.

Dies sind die Kreise Bad Kreuznach, Germersheim, Kusel, Neuwied, der Rhein-Pfalz-Kreis und der Kreis Vulkaneifel sowie die kreisfreien Städte Frankenthal, Koblenz, Ludwigshafen, Mainz und Speyer. Betroffen sind dort insgesamt mehr als 200 Einrichtungen, in knapp 70 davon wird in einem allerersten Schritt mit mobilen Impfteams geimpft.

Diese enge Einschränkung auf einen Teilbereich wird sich dabei nach und nach mit der Zulieferung zusätzlichen Impfstoffs erweitern. So soll es laut Bund bereits am 28. und 30. Dezember Nachlieferungen von einmal knapp 25.000 und einmal gut 34.000 Impfdosen für Rheinland-Pfalz geben. Für den Januar hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wöchentliche Lieferungen von je gut 34.000 Impfdosen für Rheinland-Pfalz angekündigt. Nach der Ausweitung auf weitere Seniorenheime sollen in den folgenden Phasen dann auch medizinisches Personal beispielsweise in Krankenhäusern sowie Menschen über 80 Jahren auch in den Impfzentren geimpft werden. Dazu startet Rheinland-Pfalz vermutlich Anfang bis Mitte Januar ein Terminvergabesystem. Der genaue Zeitpunkt wird in den kommenden Tagen bekannt gegeben.

Zum Start werden die Einrichtungen in Rheinland-Pfalz von mobilen Impfteams aufgesucht, die vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) organisiert werden, erläuterte Gesundheitsstaatssekretär und Landeskoordinator Impfen, Dr. Alexander Wilhelm. „Unser Ziel ist es, dass wir zum Start 20 mobile Impfteams haben, die insgesamt 20 Einrichtungen pro Tag bedienen können“, erläuterte Wilhelm. Er dankte dem DRK ausdrücklich. „Das DRK ist zentrale Ansprechstelle für die mobilen Impfteams. Sie sind der Schlüssel für die erfolgreichen Schutzimpfungen der Bürgerinnen und Bürger, die in stationären Einrichtungen leben und keinen Zugang zu Impfzentren haben beziehungsweise diese nur schwer erreichen können.“ Die jeweiligen mobilen Impfteams setzen sich zusammen aus einer Ärztin beziehungsweise einem Arzt, einer Apothekerin oder einem Apotheker zur Aufbereitung des Impfstoffes sowie weiterem Personal, beispielsweise einer medizinischen Fachkraft. Ein Teamleiter übernimmt die Steuerung und ist Hauptansprechpartner für Pflegeeinrichtungen und Impfzentren.

Angesichts der limitierten Impfstoffverfügbarkeit zum geplanten Beginn der Impfungen am 27. Dezember und der dadurch nötigen Priorisierung treten auch viele ethische Fragen in den Vordergrund. Der von Gesundheitsministerin Bätzing-Lichtenthäler ins Leben gerufene Ethikbeirat Corona-Schutzimpfung hat daher ein erstes Empfehlungspapier verabschiedet.

„Idealerweise stünden alle Impfdosen für alle Menschen, die sich impfen lassen möchten, am ersten Tag zur Verfügung. Dem ist bedauerlicherweise, jedoch aus nachvollziehbaren Gründen, nicht so und deshalb müssen wir uns darauf verständigen, wer zu Beginn anhand medizinischer, ethischer und sozialer Kriterien zunächst versorgt werden wird. Dazu haben wir als Ethikbeirat erste Empfehlungen für das Land verabschiedet“, sagte der Vorsitzende Professor Dr. Norbert Paul. Diese lauten unter anderem, die ersten Impfungen durch mobile Impfteams in Einrichtungen der Pflege innerhalb von Kreisen oder kreisfreien Städten mit besonders hoher Inzidenz durchzuführen.

Ministerin Bätzing-Lichtenthäler verband mit dem nahenden Auftakt der Schutz-impfungen auch einen Appell an die Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer: „Der Kampf gegen das Virus – das zeigt sich am Beispiel Schutzimpfung besonders deutlich –, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Das heißt im Klartext: Je mehr Menschen sich impfen lassen, desto größer ist der Schutz für uns alle. Angelehnt an das rheinland-pfälzische Motto ‚Ich schütze Dich, Du schützt mich‘ bitte ich hiermit die Menschen in Rheinland-Pfalz von ganzem Herzen, die Impfungen wahrzunehmen, wenn sie dazu an der Reihe sind.“

Bätzing-Lichtenthäler zeigte Verständnis, dass viele Menschen ein sehr großes Informationsbedürfnis rund um die Impfungen und den Impfstoff haben. Sie verwies darauf, dass das Land dafür von morgen an eigens eine Info-Hotline für Bürger geschaltet hat. Diese ist unter der Telefonnummer 0800/5758100 erreichbar und montags bis samstags von 8 Uhr bis 22 Uhr sowie sonn- und feiertags zwischen 10 Uhr und 16 Uhr und am 24. und 31. Dezember jeweils von 8 bis 12 Uhr besetzt. Auch vom Bund gibt es eine Info-Hotline, die unter der Nummer 116117 erreichbar ist. Ausführliche Informationen finden sich darüber hinaus auch auf der Internetseite des Landes unter www.corona.rlp.de. Darüber hinaus schließt sich Rheinland-Pfalz der vom Bund angekündigten groß angelegten Informationskampagne an.

„Wir alle sind sehr optimistisch, dass wir kurz vor einem entscheidenden Wendepunkt im Kampf gegen diese Pandemie stehen. Auch wenn es gerade zu Beginn ob der Knappheit des Impfstoffs schmerzhafte ethische Fragen geben mag, auch wenn in der Anlaufphase sicherlich kleine und größere Problem auftreten werden – dieser Impfstoff und die folgenden Varianten haben das Potenzial, uns im Kampf gegen das Virus einen riesigen Vorteil zu verschaffen“, sagte Bätzing-Lichtenthäler zum Abschluss. „Lassen Sie uns deshalb alle gemeinsam daran arbeiten und alle zusammen zuversichtlich sein, dass der kommende 27. Dezember ein Tag sein wird, an den sich die Menschen noch lange erinnern werden, weil es der Wendepunkt im Kampf gegen Corona war.“ 

Empfehlungen des Ethikbeirates Corona-Schutzimpfung RLP