Dreyer/Bätzing-Lichtenthäler: Neues Projekt "Gemeindeschwester plus" für ein "Plus" an Beratung, Kümmern und Betreuen

„Mit der Einführung der 'Gemeindeschwester plus' greifen wir die Wünsche vieler älterer Menschen in Rheinland-Pfalz auf, die sich mehr Beratung im Vorfeld der Pflege wünschen“, erklärte Ministerpräsidentin Malu Dreyer heute in Mainz.

Gemeinsam mit Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler stellte sie das Projekt „Gemeindeschwesterplus “ vor. Das Land will in den Pflegestützpunkten von fünf Kommunen, darunter drei Landkreise und zwei kreisfreie Städte, jeweils eine Pflegefachkraft ansiedeln, die präventive und gesundheitsfördernde Beratung insbesondere für ältere Menschen anbietet. Die Gemeindeschwesterplus wird die Menschen in ihrem häuslichen Umfeld besuchen und beraten.

 „Mit diesem Projekt knüpft die Landesregierung an die guten Erfahrungen der Menschen mit der Gemeindeschwester aus den 50er und 60er Jahren an. Auch die damalige Gemeindeschwester kümmerte sich insbesondere um die älteren Menschen im häuslichen Bereich“, so Ministerpräsidentin Malu Dreyer. Die heutigen ambulanten Pflegedienste erbringen die Grund- und Behandlungspflege, die damals auch noch Leistungen der Gemeindeschwester und der späteren Sozialstationen waren. 

„Heute ist die Pflege bei den ambulanten Diensten gut aufgehoben. Doch für die hochbetagten aber noch nicht pflegebedürftigen Menschen fehlt ein Angebot. Jemand, der sich um sie kümmert und ihnen präventiv beratend zur Seite steht“, ergänzte Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler. „Bei der Arbeits- und Sozialministerkonferenz unter meinem Vorsitz haben wir im vergangenen November einen Antrag verabschiedet, in dem ‚Kümmerer‘ in der Pflege gefordert werden. Ich freue mich, dass Rheinland-Pfalz nun als erstes Land diesen Beschluss umsetzt“, so Bätzing-Lichtenthäler. In dem groß angelegten Projekt wird voraussichtlich mit zwölf Pflegestützpunkten der Einsatz von bis zu zwölf Gemeindeschwesternplus über dreieinhalb Jahre erprobt, gemeinsam mit den fünf beteiligten Kommunen, den Pflegekassen und den regionalen Trägern von Pflegeangeboten.
Professor Dr. Frank Weidner, Direktor des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung e.V. (dip) in Vallendar und Köln, kommentierte das Projekt aus pflegewissenschaftlicher Sicht. „Mit diesem Projekt kann eine vielfach beklagte Lücke in der Pflegeberatung mittels aufsuchender, gesundheitsfördernder und präventiver Arbeit geschlossen werden“, so Professor Weidner. Er verwies auf eine Reihe wissenschaftlich gut evaluierter Projekte zur Prävention in der Pflege, zum Beispiel durch die geplanten präventiven Hausbesuche bei älteren Menschen. „Mit solchen Hausbesuchen können frühzeitig Bedarfe, aber auch Risiken erkannt und damit rechtzeitig beeinflusst werden“, betonte der Pflegewissenschaftler.
Eine weitere Aufgabe der Gemeindeschwesterplus wird es sein, aktive Nachbarschaften zu fördern, wie dies teils auch Kirchen- und Ortsgemeinden tun. Gemeinsam mit den anderen Fachkräften im Pflegestützpunkt, den Gemeinden und den lokalen Akteuren in der Pflege, entwickelt sie die Voraussetzungen für eine sozialräumliche Pflege.
Als Gemeindeschwesternplus sind Pflegefachkräfte geplant, die unter anderem im Case- und Care-Management sowie der Sozialraumentwicklung qualifiziert sind.
Träger der Gemeindeschwesterplus werden fünf auszuwählende Kommunen sein. Dabei sollen mindestens zwei Kommunen diese Aufgabe freien oder frei-gemeinnützigen Trägern übertragen. Das Land übernimmt die gesamten Personal- und Sachkosten. Es können sich alle 24 rheinland-pfälzischen Landkreise und alle zwölf kreisfreien Städte bei der landesweiten Ausschreibung Anfang April bewerben.
Für die Beratung der kommunalen Gebietskörperschaften, die Organisation und Moderation und die Evaluierung des Projektprozesses wird zudem eine wissenschaftliche Projektbegleitung ausgeschrieben.