Initiative „Die rheinland-pfälzische Integrationskette“: abgestimmtes Maßnahmenpaket begleitet Flüchtlinge in Arbeitswelt

Ministerpräsidentin Malu Dreyer, Arbeitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler, die Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit, Heidrun Schulz, und Burkhard Müller, Geschäftsführer des Landkreistages Rheinland-Pfalz und Kreisbeigeordneter des Landkreises Mainz-Bingen, haben in Mainz die Initiative „Die rheinland-pfälzische Integrationskette“ vorgestellt.

„Der Zustrom zehntausender Menschen, die Schutz vor Krieg und Terror suchen, stellt unser Land vor die große Herausforderung, die Flüchtlinge, die bleiben dürfen, möglichst rasch in die Gesellschaft zu integrieren“, erklärte Malu Dreyer. Der wohl wichtigste Schritt hierbei sei neben dem Erlernen der deutschen Sprache die Integration in Arbeit. Auch wenn mittlerweile viele Arbeitsmarktinstrumente angepasst wurden, bestünden weiterhin Lücken, die die rasche Integration der geflüchteten Menschen erschweren oder erheblich verzögern. „Die Landesregierung hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Lücken zu identifizieren und möglichst rasch zu schließen. Kernidee unserer Initiative ist es daher auch, in der Summe aus bestehenden und ergänzenden Angeboten eine möglichst lückenlose Integrationskette zu erreichen“, so Ministerpräsidentin Dreyer weiter.

Bei der rheinland-pfälzischen Integrationskette handelt es sich um ein Paket von aufeinander abgestimmten arbeitsmarktpolitischen Fördermaßnahmen. Diese setzen bereits in den Erstaufnahmeeinrichtungen an und begleiten die Menschen bis zur Aufnahme einer Arbeit. Die Maßnahmen wurden ergänzend zu den bestehenden Regelangeboten in Zusammenarbeit des rheinland-pfälzischen Arbeitsministeriums, der Bundesagentur für Arbeit, der Jobcenter, Kommunen und dem Landkreis Mainz-Bingen passgenau auf die Bedarfe der Flüchtlinge in Rheinland-Pfalz entwickelt und werden teilweise auch gemeinsam umgesetzt.

„Integration gelingt am besten, wenn sie so früh wie möglich beginnt und nahtlos fortgeführt wird. Die Angebote unserer Integrationskette reichen daher auch von der Ankunft in der Erstaufnahmeeinrichtung über die Verteilung auf die Kommunen bis hin zur Aufnahme einer Beschäftigung“, ergänzte Bätzing-Lichtenthäler. „Bei besonders großen Lücken sind wir in Zusammenarbeit mit unseren Partnern direkt mit flächendeckenden Angeboten gestartet. In anderen Fällen erproben wir die neuen Ansätze in Modellprojekten, die im Erfolgsfall ausgeweitet werden“, so die Ministerin.

Als ersten Baustein der Integrationskette wurde im Sommer 2015 das Projekt „Kompetenzen erfassen, Chancen nutzen“, das das Arbeitsministerium gemeinsam mit der Regionaldirektion Rheinland-Pfalz-Saarland der Bundesagentur für Arbeit umsetzt, ins Leben gerufen. Interessierte Flüchtlinge erhalten Informationen über den deutschen Arbeitsmarkt und können dann ihre bisherigen Kompetenzen erfassen lassen. Diese Daten werden an die Agenturen für Arbeit weitergeleitet und von ihnen als Grundlage für die weiteren Beratungen der Flüchtlinge genutzt. Darauf aufbauend starteten überwiegend zum 1. Januar 2016 arbeitsmarktpolitische Förderansätze wie der Beschäftigungspilot, Fit für den Job für Jugendliche, Modellprojekte zur Unterstützung der Betriebe und der Flüchtlinge im Betrieb sowie Modellprojekte für Flüchtlinge im Gesundheits- und Pflegebereich.

„Der Beschäftigungspilot ist ein wichtiger Baustein der Integrationskette“, so Heidrun Schulz. „Nach der Ankunft in der Kommune sind Flüchtlinge in vielen verschiedenen Einrichtungen untergebracht und haben oft keinen Kontakt zu örtlichen Akteuren, die sie unterstützen könnten. Hier setzt der „Beschäftigungspilot“ an, der die Menschen aufsucht und anknüpft, wo die Beratung in der Erstaufnahmeeinrichtung aufgehört hat. Er informiert ausführlich über den Arbeitsmarkt sowie die Unterstützungsangebote in den Kommunen, erfasst die Kompetenzen der Flüchtlinge und stellt den Kontakt zu der örtlichen Agentur für Arbeit her. Dort wird für jeden Flüchtling der individuell notwenige Integrationsplan erstellt.“ Der „Beschäftigungspilot“ wird als gemeinsam finanzierter Ansatz mit den Agenturen für Arbeit und den Kommunen umgesetzt.

Trotz der vielen Angeboten an Sprach- und Integrationskursen in den Kommunen müssen Menschen oft mehrere Monate warten, um an einem der Kurse teilzunehmen. Um dieser Herausforderung zu begegnen, planen das Arbeitsministerium und der Landkreis Mainz-Bingen das Modellprojekt „Neuanfang in Mainz-Bingen“. „Dieses Modellprojekt beinhaltet drei Bausteine“, erläuterte Burkhard Müller. „Es enthält Sprach- und Orientierungskurse, die den Kursen des BAMF vorgelagert sind. Zudem wird es auch ein spezielles Angebot für Frauen geben, das auch eine Kinderbetreuung während der Kurszeiten vorsieht. Ein weiterer Baustein werden Arbeitsgelegenheiten für Flüchtlinge in den Kommunen sein. Mit dem letzten Baustein möchten wir es den Menschen ermöglichen, bereits früh in Kontakt mit der deutschen Arbeitswelt zu kommen.“

Arbeitsministerin Bätzing-Lichtenthäler hob die zügige Umsetzung dieses aufeinander abgestimmten und auf die Arbeitsmarkintegration ausgerichteten Maßnahmenpakets hervor: „Wir schaffen mit unseren Projekten die Grundlage zur Aufnahme einer Beschäftigung und unterstützen die Menschen somit dabei, eigenverantwortlich ihre Zukunft zu gestalten.“

Ein Augenmerk im Rahmen der Integrationskette liegt auf der Zielgruppe der jungen Flüchtlinge. Mit dem Projekt „Fit für den Job für Flüchtlinge“ bekommen diese jungen Menschen die Möglichkeit einer kultursensiblen und individuellen Berufswegeplanung verbunden mit betrieblichen Praktika sowie Sprachförderung und sozialpädagogischer Begleitung. Aber nicht nur Flüchtlinge auch Unternehmen, die letztendlich eine Schüsselrolle bei der Arbeitsintegration einnehmen, müssen in ihren Fragen unterstützt werden. Dazu sind Projekte entwickelt worden, die Flüchtlinge und Unternehmen, sowohl vorbereitend als auch nach der Aufnahme eines Arbeitsverhältnisses unterstützen. Hierzu gehört das Modellprojekt „Begleitung in Arbeit“, dass das Arbeitsministerium gemeinsam mit dem Jobcenter Vorderpfalz-Ludwigshafen umsetzt. Im ersten Schritt werden interessierte Unternehmen informiert, unter welchen Umständen sie einen Flüchtling beschäftigen können und was dabei sowohl in rechtlicher als auch in kultureller Hinsicht zu beachten ist. Im zweiten Schritt werden beide Seiten zusammengebracht und bei sowie nach der Arbeitsaufnahme begleitet.

In der mit der Agentur für Arbeit Ludwigshafen und der Handwerkskammer der Pfalz geplanten „Zukunftswerkstatt Asyl“ können Asylbewerber und Asylberechtigte in einem Pilotprojekt ihre berufspraktischen Fähigkeiten in verschiedenen Handwerksbereichen erproben. „Durch die praxisnahe Feststellung der Kompetenzen schaffen wir eine schnelle und gezielte Anbindung an die Betriebe, beispielsweise durch Praktika oder spezielle Qualifizierungsmaßnahmen“, erklärte Heidrun Schulz.

Ein weiteres Modellprojekt, das gemeinsam mit dem Jobcenter Mayen-Koblenz und der Rhein-Mosel-Fachklinik umgesetzt wird, richtet sich an Flüchtlinge, die Interesse an einer Beschäftigung im Gesundheits- und Pflegebereich haben. Sie erhalten die Möglichkeit das deutsche Gesundheitswesen kennenzulernen; im Gegenzug lernen Arbeitgeber der Gesundheitsbranche potentielle neue Arbeitnehmer kennen. Ein vergleichbares Projekt ist mit dem Jobcenter Neuwied geplant und soll am 1. Februar 2016 starten.

Die Broschüre „Arbeitsmarktintegration von Flüchtlingen“ finden Sie hier.