Kreative Teilhabeangebote für Menschen mit Demenz ausgezeichnet

Sozialministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler zeichnete heute in einer Feierstunde in Mainz die sechs eindrucksvollsten Angebote des Wettbewerbs „Teilhabe für Menschen mit Demenz!“ aus, die sich in besonderer Art und Weise für die Teilhabe von Menschen mit Demenz in Rheinland-Pfalz einsetzen. Zugleich ehrte sie die zahlreichen engagierten Menschen im Land, die hinter diesen Angeboten stehen und diese erst möglich machen.

Ministerin Bätzing-Lichtenthäler hatte im Frühjahr 2017 den rheinland-pfälzischen Innovationspreis-Wettbewerb im Rahmen ihrer Demenzstrategie ausgerufen. „Ich freue mich sehr über die große Resonanz, die der Wettbewerb im Land gefunden hat. Insgesamt 51 Initiativen, Netzwerke, Vereine und Organisationen haben sich mit vielfältigen und überaus kreativen Angeboten am Wettbewerb beteiligt und alle sind eine Auszeichnung wert. Sie bieten auf unterschiedliche Weise in den Bereichen Gemeinschaft, Kultur, Musik, Bewegung, Natur oder Glaube Menschen mit Demenz die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben an“, unterstrich die Ministerin. „Wir alle müssen an einer Gesellschaft mitwirken, in der Menschen mit Demenz selbstverständlich dazugehören. Menschen mit Demenz wollen am gesellschaftlichen Leben teilhaben, mitreden, mitbestimmen und ihre Talente und Fähigkeiten einbringen. Uns ist es wichtig, gute Beispiele ins Land zu tragen, deshalb werden wir alle eingegangenen Teilhabeangebote veröffentlichen und ich wünsche mir viele Nachahmerinnen und Nachahmer.“

Eine fachkundige Jury, der Beirat des „Landesgremium Demenz“, hat sechs Preisträger ausgewählt. Aufgrund der guten und kreativen Bewerbungen wurde entschieden, nicht nur drei Preise, sondern einen weiteren Sonderpreis auszuloben. Der erste Preis ist mit 3.000 Euro, der zweite Preis mit 1.500 Euro und der dritte sowie der Sonderpreis Preis mit jeweils 1.000 Euro dotiert. Zusätzlich wurden zwei Ehrenpreise verliehen.

Das generationenübergreifende Gemeinschaftsangebot „Zesamme em Jaade“ (Zusammen im Garten) des proBüros für Jugendarbeit der Verbandsgemeinde Altenahr und des Seniorenzentrums Maternus Stift in Altenahr wurde mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Die Bewohnerinnen und Bewohner des Maternus Stifts, die zum großen Teil an Demenz erkrankt sind, errichteten gemeinsam mit Kindern aller Altersstufen, Nachbarn, Angehörigen und anderen Interessierten aus der Gemeinde einen öffentlich zugänglichen Garten. Ziel ist es, gemeinsam Zeit im Garten zu verbringen, dort zu feiern, zu genießen und sich umeinander und um die Pflanzen zu kümmern. Die Seniorinnen und Senioren können hier ihre Kenntnisse und Fähigkeiten einbringen. Extra errichtete Hochbeete erleichtern für Menschen mit Einschränkungen die Arbeit im Garten.

Mit dem zweiten Preis wurde das Angebot „Junges Gemüse trifft altes Eisen“ des Malteser Hilfsdienstes in Mainz und Worms geehrt. Dieses Angebot bildet eine „Brücke“ zwischen jungen und alten Menschen. Hier werden Jugendliche für das Thema Demenz und für soziale Berufe sensibilisiert und intensiv an die Themen Demenz, Beschäftigung, Biografiearbeit, Tod und Sterben herangeführt. Die Jugendlichen wenden die so erworbenen Kenntnisse an, indem sie Menschen mit Demenz in Einrichtungen besuchen, Zeit mit ihnen verbringen oder gemeinsame Ausflüge machen.

Den dritten Preis erhielt das Teilhabeangebot „Ich spiele ein Lied für dich“ aus dem Dr. Hans Bardens Haus, einem Alten- und Pflegeheim der Stadt Ludwigshafen. Die Bewohnerinnen und Bewohner erlernen das Spiel auf einer Veeh-Harfe und musizieren aktiv mit Angehörigen, Ehrenamtlichen und Beschäftigten. Sie spielen für ihre Mitbewohnerinnen und Mitbewohner zum Beispiel Geburtstagsständchen, am Krankenbett oder bei Gottesdiensten. Sie begleiten aber auch Trauerfeiern außerhalb des Hauses. Geplant ist, dass die Bewohnerinnen und Bewohner einen Schnupperkurs für ehrenamtliche Patientenbegleiterinnen und -begleiter sowie für Studierende der SRH Hochschule Heidelberg, Fachbereich Musiktherapie, anbieten.

Mit einem Sonderpreis wurde das Teilhabeangebot „Fühlbilder“, ein Kunstprojekt aus Lahnstein im Rhein-Lahn-Kreis, ausgezeichnet. Besonders bemerkenswert bei diesem Angebot ist, dass die Künstlerin, die Schülerinnen und Schüler sowie Seniorinnen und Senioren beim Erstellen sogenannte „Fühlbilder“ anleitet, selbst betroffen ist. Die „Fühlbilder“ werden im Rahmen der Demografiewoche im November 2017 ausgestellt.

Zwei weitere besonders innovative und nachahmenswerte Teilhabeangebote bekamen einen Ehrenpreis. Zum einen das Angebot „Generationen begegnen sich – Brücken bauen zwischen Jung und Alt“ des Seniorenzentrums AGO Pluwig, zum anderen das Angebot „Ora et Labora und Musica Populum“ des Senioren- und Pflegezentrums Becher „Villa Sonnenmond“.

Das generationenübergreifende Gemeinschaftsangebot aus Pluwig im Kreis Trier-Saarburg  ist  eine  Kooperation  des  AGO Seniorenzentrums und der  Grundschule Gusterath/Pluwig. Gemeinsame Aktivitäten der Seniorinnen und Senioren und den Schülerinnen und Schülern, wie zum Beispiel gemeinsamer Musik- und Sportunterricht, gemeinsame Gestaltung eines Adventskalenders oder auch eine gemeinsame Fastnachtsfeier sollen Berührungsängste zwischen den Generationen abbauen und Verständnis füreinander wecken.

Die Villa Sonnenmond aus Neustadt im Westerwaldkreis präsentiert sich in ihrer Gesamtheit als Dorf, die umliegenden Kitas, Schulen, Vereine und Bürgerinnen und Bürger können sich in das Dorfleben einklinken. Hier finden verschiedene Veranstaltungen wie zum Beispiel an den Jahreszeiten orientierte Feste statt. Gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern wurde in diesem Rahmen eine Weihnachts-CD mit altbekannten Weihnachtsliedern aufgenommen und auch ein eigenes Weihnachtslied kreiert. Der Erlös der CD wurde für den Bau einer Schule in Ruanda gespendet.