Aktive Arbeitsmarktpolitik

Zur Sicherung des Fachkräftebedarfs im demografischen Wandel ist es unter anderem notwendig, die Erwerbsbeteiligung der Menschen deutlich zu erhöhen, die bislang nicht oder nicht ausreichend in den Arbeitsmarkt integriert sind. Mit ihrer aktiven Arbeitsmarktpolitik zielt die Landesregierung daher vor allem darauf ab, die Erwerbstätigkeit von Frauen, Migrantinnen und Migranten, Alleinerziehenden, Älteren, Jugendlichen und langzeitarbeitslosen Menschen zu erhöhen. Aktuell werden mit Mitteln des Landes und des Europäischen Sozialfonds (ESF) rund 300 Projekte gefördert; hiervon werden voraussichtlich wieder rund 40.000 Menschen in Rheinland-Pfalz profitieren. Die Landesregierung nimmt für diese Projekte rund 30 Mio. Euro aus Landes- und ESF-Mitteln in die Hand.

Beschäftigungsfähigkeit erhalten

Angesichts älter werdender Belegschaften in den Betrieben gilt es, die Menschen dabei zu unterstützen, möglichst lange beschäftigungsfähig zu bleiben. Dies umfasst zum einen die Beschäftigungsfähigkeit, die über Maßnahmen der Arbeitsgestaltung und des Gesundheitsmanagements beeinflusst werden kann. Zum anderen setzen gezielte Angebote vor allem in der beruflichen und betrieblichen Weiterbildung beim Erhalt der fachlichen Kompetenzen an. Aus Sicht der Unternehmen gilt es, die Kompetenzen ihrer bestehenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kontinuierlich weiterzuentwickeln - so dass diese den Herausforderungen der Zukunft gewachsen sind - und damit die eigene Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Immer mehr Unternehmen in Rheinland-Pfalz reagieren auf diese Herausforderungen des demografischen Wandels und richten ihre Personalpolitik an den Bedürfnissen der unterschiedlichen Lebensphasen ihrer Beschäftigten aus. Die Landesregierung unterstützt die Unternehmen bei dieser Aufgabe durch zahlreiche Projekte, z.B. das Projekt Lebensphasenorientierte Personalpolitik.

Die Landesregierung fördert darüber hinaus das Kompetenzzentrum „Zukunftsfähige Arbeit in Rheinland-Pfalz“, das Beratung und Unterstützung zur zukunftsfähigen Gestaltung der Arbeit in Betrieben bietet und das Thema im Land vorantreibt. Das Kompetenzzentrum ist eingebettet in ein umfassendes Förderengagement der Landesregierung, dass über 20 Projekte umfasst, die aus arbeitsmarktpolitischen Mitteln des Landes sowie aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds in Rheinland-Pfalz (ESF) finanziert werden. Übergeordnetes Ziel der Projekte ist es, kleine und mittlere Unternehmen sowie Beschäftigte und die Öffentlichkeit für die Themen der zukunftsfähigen Arbeit zu sensibilisieren, zu gewinnen und konkret durch Information und Beratung zu unterstützen. Hierbei sollen insbesondere auch die Chancen für Beschäftigung und wirtschaftliche Entwicklung dargestellt werden, die sich für Unternehmen aus dem demografischen Wandel ergeben, z.B. im Handwerk, im Tourismus, in der Gesundheitswirtschaft und in weiteren Branchen.

Die Aktivitäten des Kompetenzzentrums konzentrieren sich auf die Bereiche betriebliche Gesundheitsförderung, alternsgerechte Gestaltung von Arbeitsbedingungen, betriebliche Fort- und Weiterbildung sowie allgemein auf die Fachkräftesicherung.

Berufliche Weiterbildungsangebote für alle

Neben der beruflichen Ausbildung stellt die berufliche und betriebliche Weiterbildung eine wichtige Säule der Fachkräftesicherung für das Land Rheinland-Pfalz dar. Mit der Stärkung der Weiterbildung möchte die Landesregierung zudem denjenigen eine zweite Chance geben, die eine erste Bildungschance nicht bekommen oder genutzt haben oder nicht nutzen konnten.

Dazu möchte die Landesregierung insbesondere kleine und mittlere Unternehmen für die schwieriger werdende Fachkräftegewinnung sensibilisieren und bei der Entwicklung von geeigneten Strategien zur Fachkräftesicherung, zum Beispiel durch die Weiterbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, unterstützen. Darüber hinaus gilt es, die Beschäftigten selbst zu motivieren, sich weiterzubilden. Dazu dienen neben einer verbesserten Durchlässigkeit zwischen dem beruflichen und hochschulischen Bildungssystem vor allem finanzielle Förderungen sowie eine gute Übersicht über die unterschiedlichen Weiterbildungsmöglichkeiten:

  • Das Meister-Bafög unterstützt die berufliche Aufstiegsfortbildung sowie Existenzgründungen. Für maximal 24 Monate werden Zahlungen für Lebensunterhalt und Lehrgangsgebühren geleistet - gemischt als Zuschuss und/oder Darlehen. 
  • Das (von der Stiftung Warentest als Testsieger ausgezeichnete) anbieterübergreifende, neutrale und nicht kommerzielle Weiterbildungsportal Rheinland-Pfalz zielt darauf ab, die Weiterbildungsangebote im Land noch stärker sichtbar zu machen und ihre Vergleichbarkeit zu erhöhen. Als Informations- und Kommunikationsplattform richtet es sich an alle, die am Thema Weiterbildung und an konkreten Veranstaltungen interessiert sind. 
  • Das Land Rheinland-Pfalz und der Europäische Sozialfonds unterstützen interessierte Bürgerinnen und Bürger mit dem so genannten QualiScheck bei der Finanzierung ihrer beruflichen Weiterbildung und übernehmen einmal im Jahr 50 Prozent der Kosten ihrer Weiterbildungsmaßnahme, bis zu maximal 500 Euro. Zum 1. August 2012 sind die Fördermöglichkeiten durch den QualiScheck weiter ausgeweitet worden. 
  • Gemäß Bildungsfreistellungsgesetz haben Beschäftigte in Rheinland-Pfalz einen Rechtsanspruch auf Freistellung von der Arbeit, wenn sie sich beruflich oder gesellschaftspolitisch weiterbilden wollen. Ihr Arbeitsentgelt wird dabei durch den Arbeitgeber fortgezahlt. Betriebe mit weniger als 50 Beschäftigten werden dabei durch das Bildungsfreistellungsgesetz unterstützt, indem sie einen pauschalierten Anteil des fortzuzahlenden Arbeitsentgelts von der Landesregierung erhalten. 
  • Bund und Länder haben sich über eine gemeinsame nationale Strategie für Alphabetisierung und Grundbildung verständigt, um die Lese- und Schreibkenntnisse bei Erwachsenen zu verbessern. Der Landesverband der Volkshochschulen, die Evangelische LAG (Landesarbeitsgemeinschaft) für Erwachsenenbildung und die LAG Anderes Lernen führen dazu in Rheinland-Pfalz gemeinsam das Modellprojekt "Alpha-Netz" durch.

Wichtige Partner der Landesregierung bei der Stärkung der Weiterbildung sind die Volkshochschulen und die anerkannten Landesorganisationen der Weiterbildung. Sie stellen zusammen ein flächendeckendes und inhaltlich reichhaltiges Weiterbildungsangebot sicher und werden auf der Grundlage des Weiterbildungsgesetzes gefördert und gestärkt.