Berufliche Orientierung

Um erfolgreich ins Erwerbsleben zu starten, ist eine umfassende berufliche Orientierung wichtig - gerade bei den vielfältigen Möglichkeiten, die sich jedem und jeder Einzelnen bieten. Hierbei sind – neben den Jugendlichen selber, deren Familien oder Freunden – vor allem die Schulen und die Wirtschaftsorganisationen wesentliche Informationsgeber und Unterstützer. Sie stehen den Jugendlichen mit Rat und Tat zur Seite, binden die lokale und regionalen Betriebe in die Prozesse der beruflichen Orientierung ein und informieren so über die Chancen und Perspektiven des dualen Systems. Betriebe und Schulen kooperieren auf lokaler Ebene überall in Rheinland-Pfalz unter dem Namen Arbeitsgemeinschaften „SCHULEWIRTSCHAFT“.

Der wöchentliche Praxistag ist ein weiteres Kernstück einer breiten Palette von Maßnahmen, die der Verbesserung der Berufsorientierung und des Übergangs vom Schul- ins Arbeitsleben dienen. Die Maßnahme wird von der Landesregierung - unterstützt von der Bundesagentur für Arbeit - an mittlerweile fast 200 Schulstandorten von Realschulen plus, Integrierten Gesamtschulen und noch existierenden Hauptschulen angeboten. Dabei nutzen die Schülerinnen und Schüler die Chance, einmal pro Woche einen Tag lang in einem Betrieb die Praxis verschiedenster Berufsbilder kennenzulernen. Sie werden zudem von Lehrkräften, Ausbildern und Fachkräften aus der Berufsberatung in ihrer beruflichen Orientierung unterstützt.

Weitere Maßnahmen zur Verbesserung der Berufsorientierung und des Übergangs vom Schul- ins Arbeitsleben, sind unter anderem das an allen Schulen im Sekundarbereich I verpflichtende Berufswahlportfolio, in dem Kenntnisse und Kompetenzen ebenso dokumentiert werden wie Berufswünsche, Praktikumserfahrungen und Beurteilungen der Schülerinnen und Schüler. Dazu gehören auch die verschiedenen Berufsorientierungsmaßnahmen in den Schulen oder die Unterstützung bei der Berufswahl durch so genannte „Job-Füxe“ und die Hilfestellung durch „Berufseinstiegsbegleiterinnen“ und „Berufseinstiegsbegleiter“.

Mit dem von der Landesregierung sowie aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds geförderten Programm „JobFux“ werden vorwiegend Schülerinnen und Schülern in Schulen mit Ausbildungsgang Berufsreife – d.h. den ehemaligen Hauptschulen – auf die Arbeitswelt vorbereitet, um ihnen so die Übergänge zwischen Schule und Beruf zu erleichtern. Die Job-Füxe sind insbesondere in den Abgangsklassen der Schulen direkte Ansprechpartner für Schülerinnen und Schüler, deren Eltern, die Schule sowie für Ausbildungsbetriebe. Sie helfen bei Bewerbungen, vermitteln Praktika, begleiten Jugendliche in der Phase des Schulanschlusses und im beruflichen Orientierungsprozess, geben Informationen zu Berufen und schauen auf die Fähigkeiten und Interessen der Jugendlichen und die Anforderungen in deren Wunschberufen.

Berufliche Ausbildung

Junge Menschen sind die Fachkräfte von morgen. Deshalb ist es besonders wichtig, dass möglichst alle Jugendlichen einen guten Berufseinstieg haben. Für manche kommt nach der Schule ein Studium in Frage, für andere eine duale Ausbildung. 40 Prozent der Schulabgängerinnen und Schulabgänger treten über eine duale Ausbildung in das Berufsleben ein und schaffen sich so eine gute Grundlage für ihre berufliche Entwicklung.

Einen Überblick über die Möglichkeiten einer berufsschulischen Qualifizierung in Rheinland-Pfalz zeigt der Berufsbildungskompass. Eine bedeutende Rolle spielt dabei aus Sicht der Landesregierung die Möglichkeit, im Rahmen einer dualen Ausbildung bzw. im Nachgang zu einer dualen Ausbildung allgemein bildende Schulabschlüsse zu erwerben.

Da für die Landesregierung die Ausbildung einen zentralen Stellenwert für die Fachkräftesicherung einnimmt, arbeitet sie eng mit den unterschiedlichen Partnern am Ausbildungsmarkt zusammen. In diesem Zusammenhang hat sie eine Vereinbarung „Rheinland-Pfalz für Ausbildung und Fachkräftesicherung“ abgeschlossen, in der sich alle Partner zu unterschiedlichen Maßnahmen im Kontext der Ausbildung und Fachkräftesicherung verpflichten. Der Ovale Tisch für Ausbildung und Fachkräftesicherung begleitet die Umsetzung dieser Rahmenvereinbarung.

Für die Unternehmen stellt die Ausbildung im dualen System einen wesentlichen Schlüssel zur Fachkräfterekrutierung dar. Um das Engagement der Unternehmen hier hoch zu halten, stehen den Unternehmen unterschiedliche Ausbildungsförderungsprogramme zur Verfügung (ISB-Darlehen, Förderung der Verbundausbildung, Übernahme von Auszubildenden aus Insolvenzbetrieben). Für Jugendliche, die für einen erfolgreichen Ausbildungsabschluss wegen schlechter Noten oder anderer Hindernisse zusätzliche Hilfe benötigen, bietet die Bundesagentur für Arbeit ausbildungsbegleitende Hilfen an. Bei der Anbahnung und Stabilisierung von Ausbildungsverhältnissen unterstützen die Coaches für betriebliche Ausbildung der Landesregierung, der Bundesagentur für Arbeit sowie der Handwerkskammern Jugendliche und Unternehmen.

Um eine Ausbildung im Unternehmen für Jugendliche noch attraktiver zu machen, setzt sich die Landesregierung u.a. für eine stärkere Verzahnung der Bildungssysteme ein. Die Verbesserung der Durchlässigkeit der Bildungssysteme auf Basis des 2010 in Kraft getretenen neuen Hochschulgesetzes stellt einen wichtigen Schritt in diese Richtung dar. Den Jugendlichen wird auf dieser Basis ermöglicht, auch ohne Abitur im Nachgang einer dualen Ausbildung unter bestimmten Voraussetzungen ein Studium anzuschließen. Möglichkeiten eines dualen Studiums sowie Zusatzqualifikationen während der Ausbildung machen eine duale Ausbildung neben der grundsätzlichen Möglichkeit, praktische Erfahrungen im Betrieb zu sammeln, besonders attraktiv.

Studium

Die Landesregierung will gute Voraussetzungen für Ausbildung, Studium und Beruf schaffen. Sie möchte allen Kindern und Jugendlichen gute Startchancen ermöglichen, unabhängig von ihrem familiären Hintergrund. Dazu gehören auch die Regelungen der Landesregierung zur stärkeren Öffnung der Hochschulen für beruflich Qualifizierte, der Ausbau ausbildungs- und berufsbegleitender Studiengänge, eine Verbesserung der Vereinbarkeit von Ausbildung bzw. Studium und Kindererziehung sowie eine Erhöhung des Frauenanteils auf allen Qualifikationsstufen in der Wissenschaft.

Rheinland-Pfalz hält am gebührenfreien Erst-Studium fest, damit alle die Chance auf ein Studium haben – unabhängig davon, wie ihre jeweilige finanzielle, persönliche und familiäre Situation ist. Durch die Gebührenfreiheit wird Studienabbrüchen vorgebeugt und der Bildungs-, Ausbildungs- und Qualifizierungsstand der Menschen auch bei zurückgehenden Bevölkerungszahlen gesichert und ausgebaut.

Offene Hochschulen für Menschen mit beruflicher Qualifikation

In Rheinland-Pfalz können qualifizierte Berufstätige ohne Abitur bzw. Fachhochschulreife bereits seit 1996 unter bestimmten Voraussetzungen an den Hochschulen des Landes studieren. Rheinland-Pfalz war damit das erste Bundesland, das seine Hochschulen für beruflich Qualifizierte geöffnet hat – und hat seitdem weitere im Ländervergleich besonders weitreichende Regelungen getroffen.

So erhalten seit 2010 Meisterinnen und Meister sowie Inhaber vergleichbarer beruflicher Fortbildungsabschlüsse einen unmittelbaren und fachlich unbeschränkten Hochschulzugang zu allen staatlichen Universitäten und Fachhochschulen des Landes Rheinland-Pfalz. Dies entspricht faktisch der allgemeinen Hochschulreife (Abitur).

Personen, die über eine qualifizierte berufliche Ausbildung mit gutem Abschluss verfügen und im Anschluss an die Ausbildung eine mindestens zweijährige berufliche Tätigkeit nachweisen können, erhalten einen unmittelbaren fachlich unbeschränkten Hochschulzugang zu den Fachhochschulen des Landes sowie einen fachgebundenen Hochschulzugang zu den Universitäten.

Die weitere Öffnung der Hochschulen für beruflich qualifizierte Personen wird durch einen Modellversuch begleitet, der vom Hochschulevaluierungsverbund Südwest durchgeführt und wissenschaftlich betreut wird. Außerdem bereitet die Landesregierung ein Informationsportal für beruflich Qualifizierte vor, das nicht nur alle relevanten Informationen zum Hochschulzugang und zu den Studienmöglichkeiten der rheinland-pfälzischen Hochschulen beinhalten wird, sondern auch online-basierte Unterstützung bei der Studienorientierung und der Bewerbungsvorbereitung anbieten soll.

Studieren neben dem Beruf

Lebenslanges Lernen, Weiterbildung und Qualifizierung werden im demografischen Wandel immer wichtiger. Die Landesregierung unterstützt deshalb den Ausbau von berufsbegleitenden Erst- und Weiterbildungsstudiengängen, die in der Regel in Teilzeitform angeboten werden, um die Doppelbelastung der Studierenden neben der Erwerbstätigkeit zu reduzieren.

Die Besonderheit von Weiterbildungsstudiengängen besteht darin, dass sie berufliche Erfahrungen der Studierenden voraussetzen und an diese anknüpfen. Die Landesregierung setzt sich z.B. über den Hochschulpakt dafür ein, den Hochschulzugang für beruflich Qualifizierte weiter zu öffnen.

Berufsbegleitende Studiengänge können auch als Fernstudium angeboten werden oder auch als Kombinationen aus klassischem Präsenzstudium und eLearning-Elementen. Die Hochschulen werden bei der Entwicklung von eLearning-Angeboten vom Virtuellen Campus Rheinland-Pfalz unterstützt, einer erfolgreichen hochschulübergreifenden wissenschaftlichen Einrichtung, die seit 10 Jahren dazu beiträgt, E-Learning und die Möglichkeiten des Internet in Hochschulstudium und -lehre auf vielfältige Weise zu verankern.

Duale Studiengänge

Die Landesregierung fördert und unterstützt auch den weiteren Ausbau des Angebots von so genannten Dualen Studiengängen. Diese ausbildungsintegrierten Studiengänge bieten jungen Menschen die Möglichkeit, Hochschulstudium und Berufsausbildung innerhalb von drei bis vier Jahren gleichzeitig zu absolvieren. Duale Studiengänge gibt es bislang in den Bereichen Wirtschaftswissenschaften, Technik und Ingenieurwissenschaften, Informatik und Medien, Gesundheits- und Sozialwesen, Landwirtschaft und Weinbau.

Unter der Dachmarke "Duale Hochschule Rheinland-Pfalz" (DHR) sind alle ausbildungsintegrierten Studiengänge der Fachhochschulen zusammengefasst. Die Geschäftsstelle der Dualen Hochschule Rheinland-Pfalz - als Serviceeinrichtung für alle Interessierten - ist in Mainz angesiedelt und koordiniert die Vernetzung der Aktivitäten und beteiligten Akteure.