Ausbau der Kindertagesbetreuung

Dank des Landesprogramms „Zukunftschance Kinder – Bildung von Anfang an“ und des Landesgesetzes zum Ausbau der frühen Förderung hat sich die Betreuungssituation für Kinder im Vorschulalter in Rheinland-Pfalz deutlich verbessert. Ab 2013 haben darüber hinaus alle Zweijährigen einen Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz. Damit erhalten Kinder ein qualitativ hochwertiges Bildungsangebot und ihren Eltern wird es ermöglicht, arbeiten zu gehen, um die Familie finanziell absichern zu können.

Seit August 2010 ist der Besuch des Kindergartens in Rheinland-Pfalz für Kinder vom vollendeten zweiten Lebensjahr an beitragsfrei. Mit der Beitragsfreiheit sind aber auch klare Erwartungen verbunden: Es sollen möglichst alle Kinder erreicht werden, vor allem weil im letzten Kindergartenjahr die Schulvorbereitung und - wo nötig - auch die Sprachförderung gezielt verstärkt wird. Auch der Ausbau der Ganztagsplätze schreitet zügig voran. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für die Vereinbarung von Familie und Beruf. Der Anteil der Ganztagsplätze an der Gesamtzahl der Kindergartenplätze beträgt aktuell fast 50 Prozent.

Schulen

Im Bildungsbereich hat Rheinland-Pfalz frühzeitig wichtige Weichen zur Gestaltung des demografischen Wandels gestellt. 2006 wurde die Grundlage für eine umfassende Schulstrukturreform gelegt. Seit dem Schuljahr 2009/2010 ermöglicht die Realschule plus ein längeres gemeinsames Lernen und mehr individuelle Förderung. Rheinland-Pfalz hat somit im allgemeinbildenden Bereich mit den drei gleichberechtigten Säulen, der Realschule plus, dem Gymnasium und der Integrierten Gesamtschulen (IGS) den Aufbruch zu einem sozial gerechten und leistungsfähigen Schulsystem gestaltet.

Für die kommenden Jahre gilt es nun, diese Schulstruktur zu festigen, weitere IGSen zu schaffen, Grundschulen wohnortnah zu erhalten und die berufsbildenden Schulen weiter zu entwickeln. Weitere Ziele der Landesregierung sind, die Qualität in den Schulen weiter zu erhöhen (unter anderem über sinkende Klassengrößen/Klassenmesszahlen), die Unterrichtsversorgung zu sichern und das längere gemeinsame Lernen zu fördern.

Außerdem setzt sich Rheinland-Pfalz das Ziel, die Zahl der Schulabbrecherinnen und Schulabbrecher sowie die der Klassenwiederholungen durch frühzeitig einsetzende Fördermaßnahmen weiter zu senken. Dazu zählen auch die Sicherung und das Erreichen höherqualifizierter Schulabschlüsse von Kindern mit Migrationshintergrund sowie eine bessere Abstimmung zwischen berufsbildender Schule und Betrieben, um möglichst frühzeitig auf Probleme und Defizite während der Lehre zu reagieren und so den Abbruch von Ausbildungen zu verhindern. Dazu sollen sich die berufsbildenden Schulen noch stärker zu regionalen Zentren der Aus-, Fort- und Weiterbildung entwickeln.

Die Landesregierung schafft so mit ihren Investitionen bessere Qualifikationen für Ausbildung, Studium und Beruf und erhöht weiter die Durchlässigkeit zu höheren Bildungsabschlüssen. Sie trifft somit auch entscheidende Vorbereitungen, um dem in den kommenden Jahren zunehmenden Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften zu begegnen.

Ganztagsschulen

Ein wichtiger Baustein der Demografiepolitik des Landes ist der Ausbau der Ganztagsschulen. Die Ganztagsschule leistet einen besonderen Beitrag, um Kindererziehung und Berufstätigkeit besser miteinander vereinbaren zu können. Das entspricht den Lebensentwürfen und auch den Lebensnotwendigkeiten vieler junger Eltern. Die Ganztagsschule ermöglicht es den Eltern, trotz Berufstätigkeit mehr Zeit für die emotionale Unterstützung ihrer Kinder zu haben, weil sie u.a. die Mittagsverpflegung, die Hausaufgabenbetreuung und zumindest teilweise die Freizeitgestaltung übernimmt.

Mit dem Ausbau der Ganztagsschule hat die Landesregierung die bildungs-, sozial- und familienpolitischen Herausforderungen unserer Zeit angenommen. Die Ganztagsschule unterstützt und fördert Kinder und Jugendliche in ganz unterschiedlichen Lern- und Lebenssituationen. Sie schafft ein gemeinsames Umfeld, bei dem alle in den Genuss der gleichen Angebote kommen. Sie ermöglicht gerade Kindern und Jugendlichen aus bildungsbenachteiligten Schichten die Teilnahme an musischen, sportlichen, künstlerischen und sonstigen Angeboten. Arbeitsgemeinschaften, Projekte, Lernzeit, Vertiefung, Übung usw. finden ohne finanzielle Beteiligung der Eltern statt. Sie leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Erreichung von Chancengleichheit, zur Einlösung von verfassungsrechtlich garantierten Teilhaberechten und damit zur Integration in eine zukunftsfähige Gesellschaft, die die Vielfalt von Ideen und Meinungen schätzt und ein demokratisches Miteinander pflegt.

Gleichzeitig ist der Ausbau der Ganztagsschulen angesichts des im demografischen Wandel zunehmenden Mangels an Fachkräften eine wichtige Voraussetzung für einen erfolgreichen Wirtschaftsstandort Rheinland-Pfalz. Mittlerweile gibt es in Rheinland-Pfalz ein regional ausgewogenes Ganztagschulangebot. Zum Schuljahr 2012/2013 gehen weitere 21 neue Ganztagsschulen in Rheinland-Pfalz an den Start. Bis zum Jahr 2016 soll die Hälfte aller allgemein bildenden Schulen ein Ganztagsangebot vorweisen.

Erhalt von kleinen Grundschulklassen

„Kurze Beine, kurze Wege“. Ziel der Landesregierung ist es, auch bei sinkenden Schülerzahlen, Grundschulen möglichst wohnortnah zu erhalten. Mit dem Schuljahr 2011/12 wurde die maximale Anzahl der Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 1-3, die sogenannten Klassenmesszahlen, verringert; die Klassenmesszahlen höherer Klassen sollen schrittweise folgen. Damit leistet die Landesregierung nicht nur einen Beitrag zur Verbesserung des Unterrichts, sondern auch zum Erhalt kleiner Grundschulstandorte. Sie setzt somit zu Gunsten der Unterrichtsqualität im Schuljahr 2011/2012 120 Vollzeitlehrerstellen ein, die ansonsten wegen des demografischen Wandels weggefallen wären.

Eine weitere Maßnahme zur Erhaltung von kleinen Grundschulen im ländlichen Raum ist die seit 2009 im Schulgesetz von Rheinland-Pfalz verankerte Möglichkeit, dass eine Grundschule auch mehrere Standorte umfassen kann. Ein Schulträger kann in Rheinland-Pfalz die Zusammenlegung mehrerer Grundschulstandorte zu einer Grundschule (eine sog. Sprengelschule) beantragen und so mit nur einer Schulleitung und einem Kollegium mehrere Standorte z.B. in dünn besiedelten ländlichen Regionen sichern.

 

 

Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund

Bildung und Ausbildung sind die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Teilhabe an unserer Gesellschaft. Kinder und Jugendliche aus Familien mit Migrationshintergrund haben bei der Wahrnehmung von Bildungsangeboten oft unterschiedliche Hürden zu überwinden. Oftmals verfügen sie nicht über ausreichende Sprachkenntnisse in Deutsch, manchmal fehlt es ihnen an Unterstützung bei der Weiterentwicklung ihrer Stärken und Kompetenzen.

Das Land hat sich zum Ziel gesetzt, mit geeigneten Maßnahmen einerseits die Schwächen bei den Kindern und Jugendlichen abzubauen und ihnen somit die Voraussetzungen für einen guten Start ins Berufsleben zu eröffnen, andererseits sollen vorhandene Kompetenzen, wie z. B. Mehrsprachigkeit gefördert und erweitert werden.

Beispiele für Maßnahmen der Landesregierung sind die schulische Sprachförderung, die qualifizierte Hausaufgabenhilfe, das Projekt „Übergänge gestalten“, das Projekt „FöbeS“ zur „Förderung benachteiligter Schüler“ zur Erreichung des erfolgreichen Schulabschlusses, Feriensprachkurse, eine intensive Elternarbeit oder das START-Stipendium, das sich an sozial engagierte Schülerinnen und Schüler mit guten schulischen Leistungen richtet.

Die Bemühungen des „Ovalen Tischs für Ausbildung“ und die in diesem Zusammenhang geschlossene „Rahmenvereinbarung über die Zusammenarbeit von Schule, Berufsberatung und Wirtschaft im Bereich der Berufswahlvorbereitung und Studienorientierung in Rheinland-Pfalz“ vom Oktober 2009 haben auch zum Ziel, Jugendliche mit Migrationshintergrund in Berufsausbildungen zu integrieren. Die Landesregierung und die Partnerinnen und Partner des Ovalen Tischs und der Rahmenvereinbarung haben hierzu vielfältige Maßnahmen initiiert, die auch vor Ort an den berufsbildenden Schulen stattfinden.