Selbstorganisierte Wohngemeinschaft "Marjanns Haus" in Merkelbach

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In „Marjanns Haus“ in Merkelbach (rund 400 Einwohner, VG Hachenburg, Westerwaldkreis) können bis zu acht ältere Menschen zusammen in einem umgebauten Bauernhaus leben und ihren Alltag selbstbestimmt gestalten. In der Wohnküche und im Garten spielt sich der gemeinsame Alltag ab, in den sich alle einbringen können. Unterstützend können die Bewohnerinnen und Bewohner ein Netz ehrenamtlicher und professioneller Hilfsangebote nutzen. Zu jedem privaten Schlaf- und Wohnraum gehört ein eigenes Bad.

Eckdaten
  • Umbau und Erweiterung im Bestand
  • Acht private Zimmer mit eigenem Bad
  • Gemeinschaftsraum mit Küche
  • Aufzug
  • Garten zur gemeinsamen Gestaltung
  • Für Menschen mit geringem und mittlerem Einkommen
  • Förderung: Zuschüsse aus Dorferneuerungs- und LEADER-Mitteln; Darlehen aus dem Wohngruppen-Programm der sozialen Wohnraumförderung
Entwicklung und Organisation

Merkelbach wurde 2012 als Dorferneuerungs-Schwerpunktgemeinde anerkannt. Bei einer vom Land geförderten Dorfmoderation wurde ein Zukunftskonzept für die Gemeinde erstellt. Darin wurden unter anderem eine organisierte Nachbarschaftshilfe und eine Wohngemeinschaft für Senioren angestrebt. Davon ausgehend wurde ein geeignetes leerstehendes Gebäude gefunden, der zuständige Pflegestützpunkt einbezogen sowie erfolgreich Zuschüsse aus Mitteln der Dorferneuerung und des LEADER-Ansatzes beantragt. Von Herbst 2014 bis zur Eröffnung Anfang 2016 wurde das Vorhaben in Merkelbach durch „WohnPunkt RLP“ begleitet. Mit diesem Angebot unterstützt das Land kleine ländliche Gemeinden beim Aufbau von Wohn-Pflege-Gemeinschaften, die in das Dorfleben eingebunden sind.

In Merkelbach half „WohnPunkt RLP“ bei der systematischen Einbindung aller Akteure und der zuständigen Behörden, organisierte Beteiligung und Öffentlichkeitsarbeit und entwarf Muster für Vereinbarungen zwischen Bewohnern, Vermieter und ambulanten Pflegediensten. Außerdem konnten weitere Fördermittel aus dem Wohngruppenprogramm des Landes und einem bundesweiten Programm zur Weiterentwicklung neuer Wohnformen gewonnen werden.

Förderung

Dorferneuerung: Umbau und Anbau wurden aus Landesmitteln für die Dorferneuerung mit insgesamt 29.500 Euro bezuschusst. Ansprechpartner für die Förderung privater Baumaßnahmen sind die Dorferneuerungsbeauftragten bei den Kreisverwaltungen.

LEADER: Im Rahmen des LEADER-Ansatzes bewilligte das Land einen weiteren Zuschuss in Höhe von 109.200 Euro für den Erweiterungsbau. Eine Kofinanzierung in Höhe von 49.140 Euro ermöglichte hierzu die Nutzung von 60.060 Euro aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds zur Entwicklung des ländlichen Raums (ELER). Der Antrag hierzu wurde vorab durch die zuständige LEADER-Aktionsgruppe Westerwald beschlossen und beim Land eingereicht. Um die Kombination zweier Zuschussprogramme rechtlich abzusichern, wurde detailliert dargestellt, welche einzelnen baulichen Maßnahmen jeweils gefördert werden.

Programm „Förderung von Wohngruppen“: Das Land unterstützte den Umbau außerdem durch ein Darlehen von rund 260.000 Euro im Rahmen des Programms „Förderung von Wohngruppen“ über die Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB), welches in Zusammenarbeit mit dem Finanzministerium und dem Sozialministerium des Landes entwickelt wurde. Dieses Förderangebot dient der Schaffung bezahlbaren Wohnraums für Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen und ist mit Mietpreis- und Einkommensgrenzen verbunden. Die Darlehen in der sozialen Wohnraumförderung können durch ihre nachrangige Absicherung ähnlich wie eine Bürgschaft wirken und können so den Eigenkapitalbedarf für die Verwirklichung eines Bauprojekts senken.

Kontext

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