Soziale Stadt und Gemeinwesenarbeit

Der fortschreitende soziale, wirtschaftliche, demografische und ökologische Wandel wirkt sich auf immer mehr städtische Quartiere aus.

Das Land fördert mit dem Programm „Soziale Stadt - Investitionen im Quartier“ daher die großen und mittleren Städte in Rheinland-Pfalz dabei, Baumaßnahmen zur Verbesserung des Wohnumfelds oder Modernisierungs- und Instandhaltungsmaßnahmen durchzuführen.

Das 1999 aufgelegte Städtebauförderungsprogramm "Soziale Stadt" ist ein Teil einer Gemeinschaftsinitiative von Bund, Ländern und Gemeinden .Ziel ist ein gemeinschaftliches Handeln, um die Quartiere zu stabilisieren und die Lebensbedingungen zu verbessern. Wohn-, Arbeits- und Bildungsmöglichkeiten sollen verbessert sowie Prävention und Integration gefördert werden.

Eine wichtige Rolle spielen dabei die Fachkräfte der Gemeinwesenarbeit. Sie sollen die Bewohnerinnen und Bewohner in den Stadtteilen unterstützen, in denen sich soziale Probleme häufen. Das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Demografie unterstützt deshalb 26 sozialpädagogische Fachkräfte der Gemeinwesenarbeit in neun rheinland-pfälzischen Städten mit 19 Stadtteilen mit besonderen sozialen Herausforderungen mit einem jährlichen Personalkostenzuschuss.

Sozialräumliche Infrastruktur

Menschen mit Behinderung und Pflegebedarf haben heute ganz konkrete Vorstellungen von ihrem Leben und ihrer Versorgung. Sie wollen eigenständig, selbstbestimmt und unabhängig leben und nicht alleine sein. Sie haben den Wunsch, Teil einer Gemeinschaft zu sein, in der sie sich aufgehoben fühlen. In der Familie, im alltäglichen Miteinander zwischen Alt und Jung oder auch in Nachbarschaften kann man dieses Gemeinschaftsgefühl erleben.

Für die soziale und pflegerische Infrastruktur ist die Erfüllung solcher Wünsche und Vorstellungen eine Herausforderung. Sie hat die Hilfen für die Menschen und ihre Netzwerke dort zu sichern, wo sie gebraucht werden. Ambulante Unterstützungsangebote und haushaltsnahe Dienstleistungen, eine gute öffentliche Verkehrsanbindung, Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte, Apotheken, Kultur- und Freizeiteinrichtungen und ein gutes soziales Miteinander sind unverzichtbare Bausteine, um gut zu Hause leben zu können.

Den Kommunen fällt in diesem Kontext eine zentrale Rolle zu. Durch zielgerichtete Steuerung und gemeinschaftliche Gestaltung der wohnortnahen Infrastruktur haben sie die Möglichkeit, zukunftsfähige Rahmenbedingungen für Menschen mit Behinderungen und Pflegebedarf zu schaffen. Wichtige Faktoren wieTeilhabe und Unterstützung werden dadurch nachhaltig gesichert.

Wie dies gelingen kann, zeigt beispielhaft das Handbuch für die kommunale Pflegestrukturplanung in Rheinland-Pfalz (Bericht aus der Pflege Nr.15).

Seit dem 1. September 2011 steht den Kommunen in Rheinland-Pfalz die Servicestelle für kommunale Pflegestrukturplanung und Sozialraumentwicklung zur Verfügung. Die Trägerschaft hat die Landeszentrale für Gesundheitsförderung Rheinland-Pfalz e.V. übernommen. Ziel dieser Servicestelle ist es, die Kommunen bei der Planung und Umsetzung eines integrierten kommunalpolitischen Ansatzes zu unterstützen.

Nachbarschaftshilfen

Eine gute Gemeinschaft in der Nachbarschaft ist ein grundlegendes Element, um sich an dem Ort wohl zu fühlen, wo man wohnt. Gerade ältere Menschen profitieren von dieser Gemeinschaft. Für die meisten wird mit dem Alter der Austausch mit den Nachbarn immer wichtiger. Zahlreiche Besuchsdienste in Rheinland-Pfalz belegen, wie wichtig das Gespräch mit anderen für Menschen ist, die alleine zu Hause wohnen. Zudem ist die Unterstützung innerhalb der Familien schwerer zu organisieren, denn die Familien wohnen nicht mehr in unmittelbarer Umgebung. Die Nachbarschaft wird wichtiger für das soziale Leben und wird manchmal auch zum Helfer in der Not. Auch die kleinen Alltagstätigkeiten, die alleine nicht mehr zu bewältigen sind, werden durch aktive Nachbarschaft unterstützt. So können z.B. Einkäufe, Mitfahrgelegenheiten oder kleine Gartenarbeiten durch nachbarschaftliche Unterstützung das Leben im eigenen Zuhause erleichtern und verlängern. Angesichts der zunehmenden Zahl an hilfe- und pflegebedürftigen Menschen wird der Bedarf an sozialen Unterstützungsleistungen stark zunehmen.

Lebendige Nachbarschaft ist jedoch nicht nur Hilfe von Jung für Alt sondern auch umgekehrt oder auf Gegenseitigkeit. Die Hilfe beim Ausfüllen von Formularen, bei PC und Internet, Babysitten, Hunde ausführen oder Schülernachhilfe sind nur einige Beispiele. Es gilt auch, die Fähigkeiten und Potenziale der Älteren und deren Möglichkeiten der (gegenseitigen) Unterstützung ins Bewusstsein zu rufen.

Viele gute Dorf-, Siedler- oder Quartiersgemeinschaften und Nachbarschaftsvereine sind Beispiele gelebter lebendiger Nachbarschaft. Eine weitere gute Form der lebendigen Nachbarschaft sind gemeinschaftliche Wohnprojekte, die von ihrer Struktur her auf gegenseitige Unterstützung im Alltag ausgelegt sind. 

Für die Mehrheit der (älteren) Menschen jedoch, die in ihrer eigenen Wohnung ohne informelles Netzwerk der gegenseitigen Hilfe wohnen, ist lebendige Nachbarschaft bedeutsam.

Niedrigschwellige Betreuungsleistungen

Niedrigschwellige Betreuungsangebote sind Angebote, bei denen qualifizierte ehrenamtliche Helferinnen und Helfer unter pflegefachlicher Anleitung die Betreuung von Menschen mit Pflege- und Unterstützungsbedarf in Gruppen oder zu Hause übernehmen, pflegende Angehörige entlasten und beratend unterstützen.

Hierzu zählen

  • Betreuungsgruppen für Personen mit demenziellen Erkrankungen
  • Helfer- und Helferinnenkreise zur stundenweisen Entlastung pflegender Angehöriger
  • Tagesbetreuung in Kleingruppen oder Einzelbetreuung.

 

Die Schulung für die ehrenamtlich Tätigen ist kostenlos.

Nähere Informationen zum Angebot in der Nähe erteilen die rheinland-pfälzischen Pflegestützpunkte und ambulanten Pflegedienste.

Bürgervereine und Seniorengenossenschaften

Um auch im hohen Alter und bei Pflegebedarf daheim oder in kleinen Wohngemeinschaften vor Ort leben zu können, braucht es oft Unterstützung. Es gibt viele Arbeiten, die man im Alter vielleicht selbst nicht mehr so gut „schafft“.

Das Tragen der schweren Einkaufstüten oder die Kehrwoche stellen die eigene Kraft Woche für Woche auf die Probe. Irgendwann „geht es nicht mehr“ und Hilfe wird gebraucht.

Oft gibt die eigene Familie dann die notwendige Unterstützung, teilweise lassen sich auch professionelle Hausmeisterdienste engagieren oder örtliche Händler bieten einen Lieferservice für Lebensmittel und Getränke an. Wenn solche Angebote und Hilfen aber nicht ausreichend verfügbar sind, kann das Leben in den eigenen vier Wänden schnell sehr beschwerlich werden. 

Optimal ist es daher, wenn Bürgerinnen und Bürger, die in derselben Nachbarschaft wohnen, sich diese Angebote selbst organisieren. Bürgervereine und Seniorengenossenschaften sind dafür gute Modelle, denn sie arbeiten nach einem einfachen Prinzip: Jüngere Aktive bieten alle erforderlichen Hilfen an, damit ältere Mitglieder daheim leben bleiben können. Dafür erhalten sie entweder ein Entgelt oder sie können sich die geleisteten Stunden gutschreiben lassen.

Wenn sie alt geworden sind, können die Mitglieder die Angebote selbst in Anspruch nehmen, in dem sie ihr Stundenkonto aufbrauchen oder die Dienste bezahlen. 
Natürlich ist der Aufbau und die Organisation eines Bürgervereins oder einer Seniorengenossenschaft mit Aufwand verbunden, doch immer mehr Menschen erkennen die Vorteile dieser Modelle und engagieren sich.